Das CloudFest 2026 im Europa-Park war auch dieses Jahr wieder ein absolutes Highlight. Zwischen Achterbahnen und High-Tech-Diskussionen durfte ich nicht nur an einem zukunftsweisenden Open-Source-Projekt arbeiten, sondern auch mit vielen Menschen über die aktuelle Entwicklung in der IT sprechen. Hier sind meine 3 Highlights:
1. Frugal AI: Der „Grüne Router“ für die KI-Welt
Beim diesjährigen CloudFest Hackathon (#CFHack26) hatte ich die Gelegenheit, gemeinsam mit einem Team unter der Leitung des Digital Service Design & Innovation Labs des KIT an Frugal AI zu arbeiten.
Das Problem, das wir angegangen sind, ist die massive Verschwendung von Ressourcen bei LLMs. Aktuell herrscht ein „Overpowering“ Trend. Wir nutzen oft die mächtigsten und teuersten Modelle für triviale Aufgaben wie einfache Zusammenfassungen. Das treibt nicht nur die Kosten unnötig in die Höhe, sondern hinterlässt auch einen riesigen CO₂-Fußabdruck.
Unsere Lösung: Der Frugal AI Router
Wir haben einen Open-Source-Proxy-Layer entwickelt, der wie ein „grüner Load-Balancer“ für KI fungiert. Der Router analysiert eingehende Prompts und entscheidet intelligent, welches Modell für die jeweilige Aufgabe wirklich nötig ist.
Intelligentes Routing durch spezialisierte Middlewares
Das Herzstück sind dabei verschiedene, austauschbare Classifier-Middlewares. Je nach Anwendungsfall kann man festlegen, welche Strategie zur Bewertung der Prompt-Komplexität genutzt werden soll.
- Simple (Heuristik): Ein minimalistischer Ansatz, der auf Regeln wie Textlänge oder Schlüsselwörtern basiert.
- ModernBERT: Ein lokal laufendes Modell (ModernBERT), das hohe Genauigkeit bei der Klassifizierung bietet, ohne externe API-Kosten zu verursachen.
- SVC (Support Vector Classification): Nutzt mathematische Trennlinien, um Anfragen anhand von sieben Kriterien (z. B. Kreativität oder technisches Wissen) in Schwierigkeitsstufen einzuteilen.
- Vector Search: Vergleicht die Anfrage mit historischen Daten (z. B. via MongoDB Atlas), um basierend auf ähnlichen Aufgaben die beste Routing-Entscheidung zu treffen.
- LLM-Classifier: Ein flexibles System, das selbst ein (sehr kleines) KI-Modell nutzt, um die Komplexität einzuschätzen.
Nach der Klassifizierung leitet der Router die Anfrage an den LLM Provider weiter, je nachdem, ob die Anfrage „small“ oder „large“ war.
Die Integration: Ein Drop-in-Proxy für bestehende Apps
Der Frugal AI Router arbeitet als Open-Source Proxy-Layer direkt zwischen deiner Anwendung und den KI-Providern wie OpenAI oder Anthropic.
Da er auf standardisierte Schnittstellen setzt, muss man keine einzige Zeile deiner Applikationslogik umbauen. Man ändert einfach den API-Endpunkt, und der Router kümmert sich im Hintergrund um die Modellwahl.
Nachhaltigkeit sichtbar machen
Über ein Dashboard machen wir den Erfolg in Echtzeit messbar. Dank OpenTelemetry sieht man sofort, wie viel CO₂ Energie und bares Geld man durch das intelligente Routing spart. Unsere wichtigste Erkenntnis: Die neueste Generation kleiner LLMs performt selbst bei mittlerer Komplexität erstaunlich gut.
Mein persönliches Fazit: Vibe Coding auf einem neuen Level
Die Arbeit an Frugal AI hat mir nicht nur fachlich und zwischenmenschlich unglaublich viel Spaß gemacht. Ich konnte in diesem noch recht neuen Thema enorm viel lernen und für mich mitnehmen.
Besonders fasziniert hat mich in diesem Jahr die Dynamik des Hackathons. Ich konnte beobachten, wie gut das „Vibe Coden“ diesmal funktioniert hat. Während dies im letzten Jahr oft an seine Grenzen stieß, war die Energie beim #CFHack26 eine ganz andere. Fast jeder Teilnehmer nutzte Coding-Assistenten, was die Entwicklungsgeschwindigkeit massiv gesteigert hat. Es war beeindruckend zu sehen, wie diese doch noch recht neue Art zu arbeiten alle Teams in der kurzen Zeit so weit vorangetrieben hat und wie unterschiedlich diese Tools verwendet wurden.
Ein riesiges Dankeschön geht an das gesamte Team, die Projektleiter vom KIT und die Organisatoren des CloudFest Hackathons für diese Erfahrung.
2. Live-Hacking Session
Die Live-Hacking Session war ein echter Augenöffner in Sachen IT-Sicherheit. Es wurde eindrucksvoll demonstriert, wie verwundbar unser Leben eigentlich wirklich ist. Hier sind meine persönlichen Highlights der Live-Angriffe:
Die Schwachstelle im Smart Home
Zum Beispiel wurde ein smartes Thermostat über ein einfaches Funk-Signal (Software Defined Radio) gekapert. Von dort aus gelang es, die Kontrolle über einen Smart Plug (eine intelligente Steckdose) zu übernehmen.
Live konnte dann ein Föhn in extrem kurzen Intervallen ein- und ausgeschaltet werden. Das Problem dabei: Es geht nicht nur darum, dass der Föhn nervt, sondern dass die Hardware durch solche Schaltzyklen physisch beschädigt wird oder im Extremfall sogar überhitzen kann. Ein klassisches Beispiel dafür, dass vernetzte Geräte oft mehr Angriffsfläche bieten, als uns bewusst ist.
Das Trojanische Kabel
Besonders beeindruckend war ein präpariertes USB-C-Kabel. Optisch war es absolut nicht von einem Originalkabel zu unterscheiden. Im Inneren verbarg sich jedoch ein winziger Computer, auf dem Linux lief und der über WLAN verfügte.
Sobald dieses Kabel mit einem Android-Smartphone verbunden wurde, konnte man aus der Ferne auf das letzte Foto des Handys zugreifen.
Wenn die Anzeige am Display trügt
Dass man SMS-Absender fälschen kann, war mir bekannt. Neu war für mich jedoch die Demonstration beim Telefonieren. Es wurde demonstriert, wie leicht sich Telefonnummern bei echten Anrufen manipulieren lassen (Spoofing).
In Kombination mit KI-generierten Stimmen, wären Angriffe möglich, die nur noch schwer zu durchschauen sind. Hier hilft am Ende weder eine Firewall noch ein Antivirus-Programm, sondern nur eine gesunde Portion Skepsis beim Abheben.
Mein persönliches Fazit:
Die Session hat mir mal wieder gezeigt, dass wir Bequemlichkeit oft über Sicherheit stellen. Wir müssen nicht panisch werden, aber ein gewisses Misstrauen gegenüber unbekannter Hardware oder verdächtigen Anrufen ist heute leider die wichtigste „Sicherheitseinstellung“, die wir selbst vornehmen müssen.
3. Die DSLAM Night Shift: IT Wissen als Slam
Ein absolutes Highlight meines Besuchs war die DSLAM Night Shift. Wer jetzt sofort an graue Netzwerk-Kästen und Hardware-Konfigurationen denkt, liegt allerdings völlig daneben. DSLAM steht hier für ein einzigartiges IT-Slam-Format, das frischen Wind in die Tech-Szene bringt.
Was genau ist die DSLAM Night Shift?
Das Konzept ist so simpel angelehnt an den klassischen Science-Slam:
- 10 Minuten Zeit: Experten stürmen die Bühne.
- Themenvielfalt: Alles von Digitalisierung über KI bis hin zu Cybersecurity.
- Entertainment First: Der Witz und der Unterhaltungsfaktor stehen im Vordergrund.
Das Beste daran? Es gibt keine Gewinner, kein starres Rating und keinen Konkurrenzkampf. Es geht rein um den Spaß am Wissenstransfer und die Leidenschaft für IT-Themen.
Ein kleiner Vorgeschmack
Weil man die Energie vor Ort eigentlich selbst erleben muss, lasse ich Bilder (oder besser: ein Video) sprechen. Um ein wenig Werbung für dieses großartige Format zu machen, schaut euch unbedingt diesen Clip an:
👉 Hier geht’s zum Video auf Instagram
Wenn ihr in der IT-Welt unterwegs seid, müsst ihr euch das unbedingt mal anschauen! Ein wichtiger Hinweis: Die DSLAM Night Shift ist komplett vom CloudFest abgekoppelt.
Die nächsten Termine und Tickets findet ihr direkt auf der offiziellen Webseite:
👉 dslam.info/#gettickets
Für mich ist es die perfekte Mischung aus Networking, Horizonterweiterung und einem richtig guten Abend unter Gleichgesinnten. Eine klare Empfehlung meinerseits!
Fazit
Das CloudFest 2026 hat mir gezeigt, dass KI aktuell alle Bereiche einnimmt, bleiben wird und der Umgang mit ihr immer wichtiger wird. Ich hatte viele gute Gespräche beim Hackathon und vor den Konzerten darüber, wie die Menschen heutige Tools verwenden und was ihre Meinungen dazu sind. Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung und freue mich auf das nächste Jahr!
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